Sabrina Jung
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  Masken
von Sabrina Jung

Die Arbeit "Masken" ist eine Auseinandersetzung mit den Themen Identität und Gender, wie sie mit Hilfe der Fotografie als Bild inszeniert und bestätigt werden. Für die Collagen werden hauptsächlich private Studioportraits fremder Menschen verwendet. Die Portraitfotografien werden analysiert: die Kleidung und Posen, die Blicke, Accessoires und Rauminszenierungen. Oft sind die verwendeten Vorlagen mehrere Jahrzehnte alt, sie sind jedoch in dem, was sie zeigen, immer noch aktuell. Dies wird anschaulich, wenn man die alten Aufnahmen z.B. mit aktuellen Portraitaufnahmen in den Schaufenstern der Fotostudios vergleicht. Die Gestaltung der Inszenierung hat sich einer zeitgenössischen Auffassung ebenso angepaßt, wie die Art der Identitätsdarstellung. Die Fotografien sind jedoch eher ein Spiegelbild der Gesellschaft einer bestimmten Zeit, als eine Darstellung von individueller Identität. Die Vorstellung von Individualität entlarvt sich hier als inszeniertes Rollenklischee. Die Tatsache, dass die Portraits in professionellen Fotostudios von ausgebildeten Fotografen erstellt wurden, bestätigt dies. Die Wiederholbarkeit, und damit verbunden die Austauschbarkeit von Identitätsdarstellung ist im Handeln des Fotografen impliziert. Er inszeniert wieder und wieder mit dem gleichen Repertoire an Requisiten, Posen und Raumdarstellungen. Auf diese Weise ist Identität analog der gesellschaftlich anerkannten Rollen möglich, sie wird formbar. Gleichzeitig wird der Wunsch des zu Portraitierenden nach adäquater Selbstdarstellung befriedigt. Der Portraitierte entspricht auf dem sog. „fotografischen Abbild“ seinem visuell als „richtig“ empfundenen Rollenklischee; gleichzeitig fungiert das Portrait wiederum als Bestätigung dessen.
In "Masken" wird die Collage verwendet, um die Inszenierung der Fotografie zu brechen, zu steigern oder zu negieren. Dieser Ansatz ist auf eine radikale Weise spielerisch. Es ist ein uneindeutiges Spiel mit der Maskerade, die Schutz bietet und gleichzeitig die Möglichkeit etwas zu verbergen; ganz ähnlich wie es die Rollenklischees tun.
Portraitfotografien haben sich mit den Moden der Jahrzehnte auf unterschiedliche Weise verändert. Ebenso bestehen visuelle Unterschiede aufgrund verschiedener Kulturkreise und deren Gesellschaftsstrukturen. Es scheint jedoch immer einen kollektiven Konsens darüber zu geben, wie Identitätsdarstellung in einem fotografischen Portrait auszusehen hat und hatte. Durch die Präsentation der Fotocollagen an der Wand als Ahnengalerie wird die Inszenierung der Fotografie deutlich sichtbar und durch die Jahrzehnte hinweg vergleichbar.

   
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