Sabrina Jung
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  Totenmasken reden und schweigen
zu den „Photographers masks of death“ 2014-2016
von Sabrina Jung

Die Arbeit „Photographers masks of death“ geht der Frage nach inwieweit eine Portraitfotografie als Todesbildnis zu sehen ist. Für die Masken werden frontal aufgenommene Studio-Portraits, Fundstücke aus den 40er Jahren, verwendet und diese auf handgefertigte Gipsmasken kaschiert. Auf diese Weise entstehen groteske „Totenmasken“. Falten und Knicke, die sich beim Aufziehen auf den Gipsträger bilden, erinnern an Falten und Furchen in gelebten Gesichtern. Augen- und Mundpartien wirken leicht verzogen. Es scheint, als ob die Portraitierten, im Moment des “Todeskampfes” erstarrt, dem Betrachter in die Augen blicken. Anders als klassische, etwa von Bestattern abgenommene Totenmasken, die das Gesicht des Verstorbenen mit gleichmäßigen, ruhigen und gelösten Gesichtszügen zeigen – entstanden durch die Entspannung der mimischen Muskulatur beim Eintreten des Todes – stellen diese Masken die Gesichter
als Grimassen dar. Die beabsichtigte Verzerrung entsteht während des Arbeitsprozesses durch die Verbindung von Fotografie und Skulptur und ist entsprechend relevant für die inhaltliche Bedeutung der Arbeit. Die gewählte Darstellungsweise verdeutlicht, dass sowohl die plastische Totenmaske als auch die Portraitfotografie als Medien der Erinnerung und Konservierung fungieren. Totenmasken werden erstellt, weil der Mensch mit ihnen Tod und Vergehen erfassen und gleichzeitig unterlaufen will. Dieser Gedanke ist auch bei der Betrachtung der Portaitfotografie interessant. Portraitfotos überdauern das Leben des dargestellten Menschen, sofern die Abbildung nicht durch Lichteinfall gänzlich verschwindet oder das Bild auf andere Weise zerstört wird. Sie beweist die Existenz des Fotografierten und kann diese über den Tod hinaus bezeugen. Auch wenn das Foto nur imstande ist, einen Moment im Leben des Abgebildeten einzufangen, so wissen wir als Betrachter doch um die zeitliche Dimension der menschlichen Existenz und schließen diese gedanklich mit ein. Die Momentaufnahme inkludiert somit die gesamte Lebenszeit des Abgebildeten: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft werden im Foto manifestiert. Der Gedanke ähnelt einer Gleichung: Foto = Beweis für Existenz, Existenz = Lebenszeit,
also: Foto = Darstellung von Lebenszeit.
Legt man diese Überlegung zu Grunde, so ist auch das Todesbildnis bereits im Portraitfoto eingeschrieben. Das Portrait weist dann als Zeichen auf den kommenden Tod hin – es will das Leben aufbewahren und bringt gleichzeitig den Tod hervor. Das Portrait wird zur „Totenmaske“, erstellt vom Fotografen.
Durch die Transformation der zweidimensionalen Potraitfotografie in die dreidimensionale Form der Maske wird dieser Gedankengang sichtbar. Der Portraitierte wird fassbar, er bekommt wieder ein plastisches Gesicht, das berührbar und berührend zugleich ist.

   
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