Sabrina Jung
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‚067014b’ zeigt einen Blick auf einen blattlosen Baum im Sonnenlicht, hinter dem sich im Schatten eine Gebäudefassade zeigt. Das querformatige Bild ist von drei Vertikalen unterteilt, die Aussicht auf den Baum also in vier Flächen gebracht. Die Vertikalen sind vermutlich Fensterrahmen – warum davon drei vorhanden sind, bleibt im Bild ungeklärt. Die Helligkeit der weißen Rahmen ist unterschiedlich, so dass sie sich in verschiedenen Grautönen darstellen. Gegen den Hauptblick durchs geöffnete Fenster, der etwa 65 Prozent der Bildfläche ausmacht, steht rechts ein schmaler Streifen vermutlich alten Fensterglases, das die Sicht auf den Baum vertikal verzerrt. Der Abstraktion dieser Durchsicht ist die beinahe Silhouette des Fenstergriffes vorgesetzt. Ein zweiter Fenstergriff am hellsten, mittleren Rahmen verläuft diagonal zum Bildgeviert, jedoch parallel zu einigen umgebenden Ästen im Hintergrund. Der linke vertikale Rahmen wiederum ist deutlich dunkler und schafft dadurch einen Bezug zur rechten Vertikalen im Bild. Gezeigt ist also eine Art ‚doppelter Aussicht’ mit unterschiedlichen Ebenen der Annäherung. Während sich zwei räumliche Ebenen im Bereich der Rahmen ausmachen lassen, fügen sich zwei im Hintergrund hinzu. Die Trennung der vorderen zur hinteren Ebene wird zusätzlich durch die Farbgebung unterstützt: während vorne ausschließlich Grautöne vorkommen, bestimmt den Mittelgrund ein rot-grün Kontrast im Baum vor der wiederum gräulichen Fassade des Bildgrundes.
Ähnlich komplex wie die beschriebene Arbeit sind alle elf Diplombilder. Zudem entziehen sie sich in ihrer Wirkung der Versprachlichung. Ihren Aufbau verbal zu beschreiben, vermag ihre Wirkung nicht zu erfassen. Eine durchweg konsequente Entscheidung zum Bild und damit dem Phänomen des Visuellen.

Jörg Sasse