Sabrina Jung
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Das multiple Ich
zur Arbeit „Me, Myself & I“, 2015-2016
von Sabrina Jung

Die einzelnen Arbeiten der Reihe „Me, Myself & I“ bestehen jeweils aus einer Gruppe von drei Portraits derselben Person. Durch die Spiegelung des mittleren Bildes, das die Person im Halbprofil zeigt, scheint sich eine der äußeren Personen in einer der mittleren Person zugewandten Position zu befinden. Das andere äußere Portrait ist dementsprechend in einer der mittleren Person abgewandten Position. Der gleichzeitige Eindruck von Nähe und Distanz innerhalb der Personengruppe entsteht. Die sich zugewandten Personen wirken sich näher, als die sich abgewandten Personen. Da es sich bei den drei Personen jedoch um ein und dieselbe Person handelt, spielt diese Darstellungsweise auf die „multiplen“ Rollen eines Individuums an, wie diese im privaten und öffentlichen Bereich zugewiesen sind.
Die der Arbeit zu Grunde liegenden Portrait Aufnahmen wurden in den 1920er bis 1950er Jahren in verschiedenen Portraitstudios in Deutschland erstellt, Das Besondere der Entstehungszeit ist, dass es sich bei den Portraitierten um zwei Kriegsgenerationen handelt. Die Andersartigkeit des Lebens vor und nach dem Krieg, ist als Gedanke präsent. Zudem lässt sich die Idee der „multiplen Identitäten“ im historischen Kontext betrachten.
Das Oszillieren zwischen Selbstbild, Fremdbild und eigener Identität wirft Fragen auf. Wo befinde ich mich selbst innerhalb einer Gesellschaft? Welche Rollen erfülle ich bzw. erfülle ich nicht? Welche Rollen werden mir zugeschrieben? Ist es möglich, sich zu emanzipieren und eigenständig zu werden? Welche Auswirkungen haben von der Gesellschaft zugeschriebene Rollen wie wir es im historischen Kontext reflektieren können?